Montag, 12. September 2011

Heimat...

Ich möchte Euch heute mal was zeigen, dass ich Samstagabend in den Schubladen vom Graubart gefunden habe. Uns war Langweilig und die zwei waren aus. Da fiel dem Shawn ein, das wir ja mal  ins Büro schleichen könnten und dort fiel  uns der Text in die Hände *hüstel* Aber vielleicht müsst ihr es dem Dankward ja nicht gleich auf die Nasenspitze binden. Ich fand es eben auch so passend für mich:
-von Dankward-
Ich bin also sesshaft geworden und wenn alles gut geht, dann bleibe ich für eine längere Zeit in dem kleinen Bergdorf in Rheinhessen wohnhaft. Die Menschen hier in der Gegend nennen ein paar Dörfer „Bergdörfer“. Belustigt ob der Tatsache, das diese Erhebung alles andere als ein Berg ist und gleichzeitig als was besonderes abgestempelt zu werden, benutze ich diesen Begriff sehr gerne und auch das ich in der Rheinhessischen Toskana wohnen würde.
Als dieser Gedanke „Sess-haft-igkeit“ in mich drängte wurde mir schon anders und meine Gedanken kreisten um dieses Wort: HEIMAT.
Was die Allgemeinheit mit dem Begriff Heimat verbindet, ist ja bekannt, aber was bedeutet Heimat für mich? Für mich, der mit 18 Jahren das Elternhaus erst mal in Teilzeit verlassen hat, bevor er mit 23 dann entgültig seinen eigenen Hausstand gründete. Der bis dahin schon in einigen Regionen Deutschlands für jeweils ein paar Monate und auch Jahre gewohnt hat. Für mich hat, nein für mich muß Heimat  doch eine abweichende Bedeutung haben? Ja selbst meine Reisen in andere Länder müssten mir doch helfen den Begriff Heimat dingbar zu machen. Wenn das überhaupt möglich ist.
War ich damals in Essen daheim? Nein! In Köln...in Appen....in Lechfeld....Iserlohn...Nein, nein, nein! Warum nicht? Ich war wohl zu jung, bin ich doch grad erst ins Leben gestolpert und habe die Welt entdeckt. Schließlich komme ich aus einem 500 Seelendorf. Da war das Ganze eher ein Abenteuer für mich und ich hatte keine Zeit in mich reinzuhören und meiner Seele Tiefe zu gönnen. Im Pfälzer Wald? Ja, da war ein Gefühl von Heimat. Da blieb ich zwei Jahre und hatte nun auch Zeit für mich als auch für dieses alte Kulturland.
Sehr stark war der Eindruck „Angekommen zu sein“ in Schottland, und irgendwie auch in Island und Norwegen ja und auf Amrum. Und sicher ist nach herkömmlicher Definition der Westerwald meine Heimat. Und trotzdem habe ich durch meinen Lebensweg einen anderen Begriff von Heimat.

HEIMAT, da steht das Wort fettgedrückt.....
Hmmm, Heimat ist für mich zuerst einmal ein Gefühl. Ein Zugehörigkeitsgefühl? Nein, das nicht, dafür fühle ich mich zu wenig an die Menschen einer bestimmten Region gebunden. Obwohl, ich doch gerne sage, dass ich ein Westerwälder Basaltkopf bin. Das aber drückt ja nur aus, wie sehr ich  bestimmte Eigenarten an mir erkenne, die dem Westerwälder allgemeinhin zugeschrieben werden. Aber vielleicht ist es doch auch ein Zugehörigkeitsgefühl, irgendwie fühle ich mich einem bestimmten Lebensstil zugehörig....angenähert.
Ist es die Natur? Ja, bestimmt sogar. Wie der Wald mich einfängt, wie der Bach neben mir sein Lied murmelt, wie der Nebel mich hinwegnimmt in meine Welt. Wie das Meer eiskalt an meinen Füßen zieht und Fernweh in mir weckt, wie die Sonne gemäßigt auf mich herab scheint und wie ich die einsamen Pfade der Berge erklimme, das ist Heimat. Das ist es aber nicht alles. Da ist ja noch das Wissen. Das Wissen um unsere Vorderen, die mit Ihrem Kult von Urzeiten an schufen was in mir Heimat wurde, die mich verstehen lassen. Heimat ist auch ein Ort der Ruhe und eines sinn-vollen Lebens. Wenn dann noch ein paar Menschen da sind, die so fühlen wie ich, dann fühle ich mich daheim....Heimat ist für mich nicht regionalbezogen, Heimat ist in mir.

Heimat ist wie ein gut schmeckender Cocktail aus Gefühl, Natur und Wissen. Ich glaub ich bin angekommen und nicht nur in dem kleinen Bergdorf in Rheinhessen...






Kommentare:

  1. ...gänsehaut durchdringt mich - hast du wunderschön beschrieben!...wir sind viel mehr als fleisch und blut, berg und tal, sonne, mond und stern...teil einer unendlichkein an jedem platz, zu jeder zeit...wir dürfen mitformen, on every place we are - das lässt mich sehr dankbar, bewusst und demütig dem leben gegenüber werden und ich wünsche mir zutiefst, ich werde dem leben gegenüber gerecht und meine mitlebenden auch...deine heimatgedanken scheinen bei so vielen menschen leider nicht präsent zu sein...würde es sonst so viele kriege, missgunst, neid und hass untereinander geben?
    lg und ne gute woche für dich,
    lisanne

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  2. Ein schönes Thema - ein sehr schöner Post von dir!
    Es gibt den Spruch: "Heimat ist dort - wo Seele und Herz zu Hause sind"

    Ich denke, dass ein Heimatgefühl erst wachsen muss. Ich bin mit meinem Heimatdorf sehr verbunden und vermute, das liegt an meiner Kindheit. Wenn man als Kind durch das Dorf lief (und ich erlebe es bei meinen Kindern nun wieder), da waren die Menschen offen und man redete immer miteinander. Jeder kannte dich, auf Festen konntest du selbst in dunkler Nacht sicher spielen, da jeder ein Auge auf dich hatte - nun gut, viel Blödsinn konnte man dann auch nicht machen. Verletzte man sich, kam sicherlich ein Bewohner mit Pflaster oder tröstete einen. Später trug man selber seinen Beitrag zu Festen bei und wuchs so in die Gemeinschaft.

    Die Gerüche der Erde, Wiese, Felder und Wälder sind überall etwas anders und die "meiner Heimat" sind so vertraut, dass ich nach einer Reise erst mal wieder tief Luft hole. Jeder Baum, jede Wiese - alles im Dorf hat für mich eine Bedeutung und eine Geschichte! Traditionen blieben erhalten, vielleicht auch, weil man sich dadurch ein Stück Kindheit erhält.

    Als ich nach Irland kam, fühlte ich mich sofort heimisch. Alles war so vertraut und liebenswert. Als ich heimfuhr, vermisste ich es. Die Geschichte Irlands und die Geschichte Frankens, man erkennt selbst da Parallelen.
    Ich lebte im Spessart und genoss die Laubwälder, die Landschaft und die vielzähligen Burgen und Ruinen. Es war schön und ich lebte gern dort, aber es war keine Heimat.
    Heimat ist für mich "heimkommen" und "ankommen".
    Wenn ich vom Spessart heimfuhr, freute ich mich über den Staffelberg (http://de.wikipedia.org/wiki/Staffelberg), über den Anblick von Schloss Banz und Vierzehnheiligen und dann kam Kronach mit seiner Veste Rosenberg (http://www.kronach.de/festung-geschichte/). Danach musste ich "in den Wald", "den Berg hoch". Wir liegen ca. 300 m höher und am Ausblick kann ich mich nicht sattsehen. Die letzte Biegung zu fahren, das Dorf vor sich liegend - Freude!
    Ob Heimat auch "Freude" ist? Freude an der Region, dem Ort, den Menschen?

    ♥-liche Grüße Carola

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  3. Sehr gerne glaube ich, dass jeder Heimat anderes empfindet, es wäre auch seltsam wenn dem nicht so ist. Was wir sind, sind wir durch das was wir erlebt haben. Auch ich bin so groß geworden wie du, Kräuterfraala beschreibst. Ich bin nicht im Elternhaus sondern im Dorf aufgewachsen, bin mit meinen Freunden in allen Gärten rum gestreunert, wir haben Kirchbäume geplündert und uns Kartoffeln aus dem Acker gemobst , die wir dann im kleinem Feuer gebraten haben. Bekamen auch mal ein Butterbrot und Limo angeboten während wir so rum streunerten, sahen dem Metzger zu, wie er eine Sau schlachtete und haben zusammen Fußball gespielt und wenn wir am Weiher schwimmen waren haben die Älteren und nicht die Eltern auf uns aufgepasst. Dann übernahm man auch die Traditionen der Älteren. Vier Jahre habe ich die Kirmes in der Kirmesjugend gestaltet und schon mit 12 ging es zur Feuerwehr und wurde langsam erwachsen. Aber dann kam eine Wende, ich bin beruflich aus dem Ort weggegangen und musste festellen, je öfter ich weg war um so weniger war ich noch Teil des Dorfes und zwar nicht von mir aus, sondern von den Leuten ausgehend. Ich war einfach nicht mehr einer von ihnen, was später darin gipfelte dass ich auf de Kirmes etl. Jahre später kaum angesprochen wurde und recht alleine darum stand. ICH, der ich jeden kannte und mich mit den meisten auch immer gut verstanden hatte und dass obwohl meine Mutter immer noch ein fester Bestandteil dieser Gemeinschaft ist, wie ich vor 9 Monaten nochmals erleben durfte. Doch ich, bin es nicht mehr. Lange habe ich überlegt wieso das so ist, es ist so weil ICH anderes wurde. Denn ich hab einfach mehr gesehen und erlebt. Meinem Bruder ging es genau anders, er wach auch immer nur in dem Dorf daheim…

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  4. Das ist sicherlich kein schönes Erlebnis.
    Ich musste neun Jahre - auch beruflich bedingt - wegziehen. Ich genoss diese Zeit, hatte aber immer im Hinterkopf, dass ich irgendwann zurück in mein Dorf ziehen möchte. Ich freute mich, wenn ich heimfuhr.
    In der Zeit wurde ich trotzdem den Menschen fremd und sie mir. Sie wussten nichts mehr von mir und ich nichts von ihnen. Bei den Festen wusste ich nicht genau, wo ich mich dazusetzen sollte. Es sah alles für mich wie eine "geschlossene Gesellschaft" aus. Es war mein persönlicher "Hemmschuh" - freundlich waren sie ja noch.
    Nach dem Tod meiner Tochter zog ich zurück. Es ist leicht, Teil der Gemeinschaft zu sein - wenn man sich täglich sieht.
    Bis bald und alles Liebe
    Carola

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